ASCHAFFENBURG, 01.07.2026. In der Geschichte der Stadtpolitik gratulierte man sich ständig für die hervorragende Haushaltslage, freute sich über die hohen Rücklagen, die gebildet werden konnten.
In den Haushaltsreden klopften sich die Fraktionssprecher dafür gerne stets gegenseitig auf die Schultern.
Verdrängen und Verschieben
In den vergangenen 6 Jahren, in denen jetzt auch unsere Fraktion dem Stadtrat angehört, veränderte sich der Ton. Die Wortwahl aus dem Stadtplanungsamt und dem Tiefbauamt wurde immer öfter
drastischer. „Dringender Handlungsbedarf“, „Wir verlieren sonst die Nutzungsgenehmigung“, „Einsturzgefahr“, „Wir können jetzt wirklich nicht mehr länger warten“, sind nur einige Beispiele von
Aussagen, die belegen: DRNGENDER HANDLUNGSBEDARF !. Wichtige Sanierungsaufgaben wurden von den Stadträten immer wieder verschoben. Mit Floskeln wie „Wir haben da noch Beratungsbedarf“. Eine der
häufigsten Wortmeldungen, die wir uns in den letzten Jahren anhören mussten: „Bitte legen Sie uns das in einem Jahr nochmal überarbeitet vor“.
Investitionsstau
Doch jetzt kommen die dicken Brocken, die großen, nicht mehr aufschiebbaren Projekte, zu einer absoluten Unzeit, mit hohen Material- und Baukosten. Die Instandhaltung unserer Infrastruktur wurde über
Jahrzehnte vernachlässigt. In der letzten Sitzung des Planungs- und Verkehrssenates war unsere Kläranlage das Hauptthema. 140 Millionen Euro notwendiger Investitionen stehen in den nächsten Jahren
an. Viele Bauteile sind an die 50 Jahre alt, und die Faultürme haben schon Risse im Spannbeton. Die Trafostation muss dringend erneuert werden. Berichte, die wir in den letzten Jahren schon von
einigen Brückenbauwerken, Kanalbereichen, Gebäuden, etc. in ähnlicher Weise hören mussten.
Zeit zu handeln
Höchste Zeit, um strukturiert vorzugehen! Wir haben daher in der Sitzung darum gebeten, umgehend wieder den Arbeitskreis „Großbauprojekte“ zu aktivieren. Die Teilnehmer müssen dieses Mal offen und
transparent mit allen wesentlichen Informationen über den Zustand wichtiger Infrastrukturen versorgt werden, um die notwendigen Entscheidungen in die Wege leiten zu können. Wir können es uns auf
Dauer nicht mehr leisten Millionen in Projekte, wie das Schlossufer, den Aufzug, Brunnen im öffentlichen Raum, usw. zu investieren, während nebenan die Brücke wegen Einsturzgefahr gesperrt werden
muss.
Lothar Franke, Stadtrat
für die Stadtratsfraktion